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Er strahlte etwas Unerschütterliches aus. Auf der Bühne ganz auf sein Instrument konzentriert, wirkte er von der Erscheinung her beinahe statisch. Was den Ausdruck anbelangt, erlebte man ihn in sich gekehrt, aber auch exaltiert bis ekstatisch. Manfred Hering, ein Mann mit Bodenhaftung, ein standfester Musikant mit solider Fundierung und überbordender, überblasender Phantasie. Er kam, zeitlich betrachtet, nach Ernst-Ludwig Petrowsky und Manfred Schulze, aber er war länger auf der Jazzszene präsent als die meisten, mit denen er später zusammen spielte. Sein Durchhaltevermögen verdient ebenso hervorgehoben zu werden wie seine Leidenschaft für den Jazz, seine Präzision ebenso wie seine kraftvolle Expressivität. Jazz, Bluesfeeling und europäische Tradition wusste er in seinem Spiel auf eine geradezu selbstverständliche Weise miteinander zu verbinden.
Analog zur Literaturwissenschaft, in der es den Begriff der „Sächsischen Dichterschule“ gibt, könnte man von einer sächsischen Jazzmusikerschule sprechen – mit Manfred Schulze als einer der Vaterfiguren, Manfred Hering, Joe Sachse, Christoph Winckel, Wolfram Dix, Wegbereitern wie Günter Kiesant oder Werner Pfüller sowie dem ganzen Kreis um die Musikerinitiative LeipJAZZig. Einige seiner besten Konzerte und Aufnahmen hat Manfred Hering mit dem Manfred Schulze Bläserquintett gespielt sowie mit Joe Sachse im Duo bzw. in dessen Band mit Helmut Forsthoff, Heiner Reinhardt und Wolfram Dix. Unvergesslich das Konzert im Februar 2023 in der Leipziger „Schille“, damals schon ohne den im Jahr zuvor verstorbenen Wolfram Dix und zum letzten Mal auf der Bühne mit Helmut Forsthoff. In einer weiteren Rückblende erscheint auch das Trio mit Ulrich Gumpert und Günter Baby Sommer, dokumentiert auf der Platte „The Old Song“, als eine glückliche Konstellation mit einem Potential aus dem noch mehr hätte werden können. Manfred Hering sah das genauso.
Erinnerungen. Manfred, der Mathematik studiert hatte, war klug, vermochte blitzschnell Situationen und Sachverhalte zu analysieren. Intellektueller Überbau des Musizierens war seine Sache hingegen nicht. Für ihn galt immer das Jetzt auf der Bühne – egal, ob auf einem Jazzfestival, in einem Jugendklub oder einem Dorfgasthof. Mit Sicherheit wäre ihm mehr und viel weiter reichende Aufmerksamkeit zuteil geworden, wenn er sich publicity wirksamer in Szene gesetzt hätte. Dass er dies nicht wollte bzw. nicht konnte, zählte zu den Besonderheiten seines ebenso kantigen wie liebenswerten Charakters. Vor fünfzig Jahren habe ich ihn zum ersten Mal interviewt. „Ich meine, Jazz muss zeitgenössisch sein, oder es gibt keinen Jazz“, sagte er damals. Und auf die Frage nach dem Zusammenspiel mit Musikern älterer oder andere Stilrichtungen: „Ich glaube, gute Jazzmusiker haben so etwas immer drauf.“
In den letzten Monaten seines Lebens habe ich ihn ein paar Mal angerufen, öfter als sonst. Ich sagte ihm, wie stark ich sein Spiel fand beim Konzert im Leipziger Mediencampus mit Günter Baby Sommer, Manfred Schoof und Alexander von Schlippenbach. Für ihn war es ein spätes Erfolgserlebnis. Und er sagte, er wolle üben, für weitere Auftritte mit dem Quartett ebenso wie für Konzerte mit der Band um Joe Sachse. Choräle. Und vor allem lange Töne, um durchzuhalten. Zwischendurch war er resigniert, es ginge nicht mehr. Dann wieder der Wunsch und der Wille, es doch noch zu schaffen. Bis zum Schluss. Wie viel ihm diese Musik bedeutet hat! Und wie viel er uns mit seinem Spiel gegeben hat – über all die Jahrzehnte.
Am 1. Februar laden wir ein, gemeinsam an einen großartigen Musiker und Menschen zu erinnern: Manfred Hering, einer der prägenden Jazz-Saxophonisten unserer Zeit und Ehrenmitglied des LeipJAZZig e. V..
Seine musikalischen Weggefährten werden an diesem Abend seinem Schaffen Tribut zollen.
Eintritt frei
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Informationen zum Veranstaltungsort
Kontakt für LeipJAZZig-Konzerte
Initiative Leipziger Jazzmusiker e. V.
Telefon: 0341 / 2 61 03 30
Internet: www.leipjazzig.de
E-Mail: post@leipjazzig.de
Weitere Veranstaltungen an diesem Ort: Theaterhaus »Schille«
Weitere Veranstaltungen unter der Rubrik: Konzert
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