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Veranstaltungsdetails

Ort:
Datum:
Donnerstag, 29.01.2026
Uhrzeit:
18:30 Uhr
Rubrik:
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»Eisnacht« – Liedkunst zum Holocaust-Gedenktag

Felix Wolfes (1892–1971) gehörte in den 1920er-Jahren zu den vielversprechenden musikalischen Persönlichkeiten seiner Generation. Ausgebildet in Leipzig bei Max Reger sowie in Straßburg bei Hans Pfitzner und Richard Strauss, wirkte er als Kapellmeister an zahlreichen deutschen Opernhäusern und machte sich mit einem breit gefächerten Opernrepertoire einen Namen. Als enger Schüler und Mitarbeiter Richard Strauss’ erstellte er Klavierauszüge bedeutender Opern und stand am Beginn einer erfolgreichen Laufbahn. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde diese Karriere jäh zerstört. 1933 zwang ihn antisemitische Verfolgung zur Flucht, nachdem sogar ein gezielter SA-Übergriff auf ihn vorbereitet worden war. Über Frankreich und Monaco emigrierte Wolfes schließlich in die USA, wo er sich ein neues Leben aufbauen und seine musikalische Arbeit fortsetzen konnte.

Eines seiner Lieder, „Eisnacht“, steht mit auf dem Programm eines Kammerkonzerts, das am 29. Januar 2026 von 18:30 bis 20:00 Uhr im Ariowitsch-Haus Leipzig anlässlich des Holocaust-Gedenktages 27. Januar (Befreiung des Konzentrations- und
Vernichtungslagers Auschwitz 1945) stattfindet. Das Lied, dessen Titel dem Konzert seinen Namen gibt, bündelt auf eindringliche Weise Erfahrung von Verlust, Kälte und existenzieller Bedrohung – Themen, die sich durch das gesamte Programm ziehen.

Das Konzert „Eisnacht“ widmet sich Liedern jüdischer Komponistinnen und Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren Leben und Werk durch Verfolgung, Vertreibung und Exil geprägt wurden. Die Mezzosopranistin Pia Viola Buchert und die Pianistin Tatjana Dravenau gestalten den Abend als musikalisch-literarische Reflexion über Brüche, Überlebenswillen und künstlerische Selbstbehauptung. Die stilistische Spannweite der Werke reicht vom spätromantischen Klangidiom bis zur hoch individualisierten Tonsprache der Nachkriegszeit. Zugleich verweisen die vertonten Texte – teils mehrere Jahrhunderte alt – darauf, dass Verfolgung und Exil eine wiederkehrende Konstante der jüdischen Geschichte sind.

Pia Viola Buchert zählt zu den profilierten Lied- und Kammermusiksängerinnen ihrer Generation. Sie konzertierte u. a. in der Philharmonie Essen, im Orchesterzentrum Dortmund und im Robert-Schumann-Haus Zwickau und arbeitet regelmäßig mit renommierten Orchestern und Ensembles Alter wie Neuer Musik zusammen. Tatjana Dravenau ist als Liedpianistin und Forscherin für die Wiederentdeckung vergessener Komponisten bekannt. Ihre Arbeit verbindet musikalische Interpretation mit musikwissenschaftlicher Kontextualisierung und wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Landeslehrpreis NRW. Zum Programm und zur dazugehörigen CD „Eisnacht“ (erscheint im Februar 2026 bei Genuin) sagen sie: „Damit möchten wir würdigen, dass diese Menschen die Kraft und Kreativität besessen haben, das Erlebte zu bewältigen. Dadurch haben sie eigenständige Kunstwerke geschaffen, die in ihrer künstlerischen Bedeutung weit über die Verarbeitung biografischer Ereignisse hinausweisen.

Das Programm vereint Lieder von Walter Arlen, Ursula Mamlok, Hans Gál, Ruth Schonthal, Felix Wolfes und Viktor Ullmann – sechs jüdischen Komponisten, deren Lebenswege exemplarisch für das 20. Jahrhundert stehen. Ihre Musik zeugt von künstlerischer Vielfalt und individueller Ausdruckskraft und widerspricht der Vorstellung bloßer „Exilmusik“. Viktor Ullmann brachte dies während seiner Internierung in Theresienstadt auf den Punkt: „Zu betonen ist, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war.“

Das Konzert versteht sich als musikalisches Gedenken und als Einladung zum Zuhören und Weiterdenken – im Bewusstsein der Geschichte und ihrer Wirkung bis in die Gegenwart.

Eintritt: 10€/ erm. 5€ (Saal)

Veranstaltung im Rahmen von: Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Foto: Joscha Nivergall/Dirk Schelpmeier
Foto: Joscha Nivergall/Dirk Schelpmeier

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Informationen zum Veranstaltungsort

  • Ariowitsch-Haus
  • Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus e. V.
  • Hinrichsenstraße 14
  • 04105 Leipzig
  • Internet: ariowitschhaus.de

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Das Ariowitsch-Haus ist das größte Zentrum für jüdische Kultur in Sachsen. Die Begegnungsstätte bildet mit zahlreichen Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Seminaren und Vorträgen sowie dem Mehrgenerationenhaus ein buntes Zentrum in der Nachbarschaft des Leipziger Waldstraßenviertels.

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