Veranstaltungsdetails

Ort:
Schauspiel Leipzig | Große Bühne
Datum:
Freitag, 19.02.2021
Uhrzeit:
19:30 Uhr
Rubrik:

»Frühlings erwachen« - von Frank Wedekind

Mit Mitgliedern des Theaterjugendclubs „Sorry, eh!“ & des Ensembles / Premiere

Lange vor Erfindung des Wortes „Teenager“ wissen Wendla, Melchior und Moritz schon recht gut, wie sich das anfühlt: kein Kind mehr zu sein — aber was dann? Und was soll es bedeuten, dass man auf die Freunde auf einmal einen ganz anderen Blick wirft? Während die Eltern noch Geschichten vom Storch erzählen, tasten sich die Jugendlichen in eine neue Welt vor, die aufregend und gefährlich wirkt. Melchior, der sich abgeklärt-nihilistisch gibt, hat schon einiges zum Thema zu sagen, während Moritz noch damit hadert, wie er mit den neuen, erregenden Traumbildern klarkommen soll. Wendla und Melchior testen gemeinsam Grenzen aus — und dann ist da noch Ilse, die der Schule längst den Rücken gekehrt hat und in der libertären großstädtischen Künstlerszene ein Leben „on the edge“ führt.

Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte, in der es nicht einfach um unterdrückte Teenagerromantik, Schmetterlinge im Bauch und Händchenhalten geht. Seine Figuren gehen an Grenzen und darüber hinaus, mit fatalen Folgen für zwei von ihnen. In der rigiden Moralität der wilhelminischen Gründerzeit, die den gesellschaftlichen Rahmen für Wedekinds „Kindertragödie“ darstellt, ist kaum ein Freiraum für die Entdeckung des eigenen Begehrens möglich, und dass das Drama unmittelbar nach Erscheinen im Jahr 1891 der Zensur zum Opfer fällt, überrascht wenig. Überhaupt offen über Sex und Begehren zu schreiben, wäre kaum denkbar gewesen, aber Wedekind legte mit Themen wie Masturbation, Abtreibung und Homosexualität noch eins drauf.

Aber auch aus dem zeitlichen Abstand von 130 Jahren, mit allseits verfügbaren Informationen zum Thema und in einem scheinbar deutlich liberaleren gesellschaftlichen Umfeld ist die Radikalität von Wedekinds Figurenentwürfen spürbar. Dass Begehren nicht immer in geordneten Bahnen verläuft und dass keine Aufklärung einen auf den entscheidenden Moment vorbereiten kann, ist eine Erfahrung, die jede Generation und jede(r) Einzelne von Neuem machen muss.

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Schauspiel Leipzig
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Die Spielstätte Diskothek befindet sich in der Bosestr./Ecke Dittrichring und die Spielstätte Residenz inmitten der Baumwollspinnerei Leipzig. Das Schauspielhaus entstand 1955/56 durch Um- und Ausbau des 1943 zerstörten Centraltheaters, das 1902 als Operettentheater ins Leben gerufen wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg sollte ein modernes Theaterhaus entstehen. 1945/46 wurde es zunächst provisorisch zum Schauspielhaus umgebaut. Die Architekten Souradny, Herbst und Brummer gestalteten den stattlichen Bau inklusive Dreh- und Wagenschiebebühne.

Die Einweihung des neuen Theaterhauses fand am 1. März 1957 mit einer Aufführung von Schillers Wallenstein statt. In den Jahren 2003 bis 2006 wurde die Außenfassade des Theaters in der Bosestraße renoviert. Insgesamt haben 666 Personen im Saal Platz.

siehe auch: Residenz

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