Veranstaltungsdetails

Ort:
Datum:
Sonntag, 17.11.2019
Uhrzeit:
20:30 Uhr
Rubrik:

»Die Samtene Revolution, der Underground und Karel Gott (mit uns)«

Mit Stefan Segi (Prag, CZ), Matteo Colombi (GWZO/Uni Leipzig), Martina Lisa (Leipzig)

Nirgendwo war Opposition und Subkultur-Dissidenz näher als in der Ä?SSR. Aber in der Velvet Revolution drängte nicht nur der Untergrund nach (ganz) oben, sondern auch Karel Gott sich ins Bild, während vom rechten Rand äußerst populäre Oi!-Bands auftrumpften.

Wenn von der Samtenen Revolution in der Ä?SSR die Rede ist, schwingt gelegentlich auch Velvet Underground mit, die New Yorker Bezugsgröße für jenen tschechischen Underground um die legendären Plastic People of the Universe und ihren künstlerisch-ideologischen Kopf Ivan Martin Jirous, der viele Jahre von Staatsseite nicht gerade mit Samthandschuhen behandelt wurde, sondern ganz im Gegenteil drakonische Strafen für ästhetisch-politische Abweichung kassierte wie auch der befreundete Dramatiker Vaclav Havel, Mitinitiator der Charta ´77, (die ja in Reaktion auf Urteile gegen die Plastic People und Umfeld gegründet wurde) und bald erster postkommunistischer Präsident des Landes, der noch 1989 wegen angeblichen Rowdytums verurteilt wurde. Im Laufe des
rasanten Umbruchsprozesses, der punktgenau vor 30 Jahren am 17.11.1989 begann und im Zentrum des Abends steht, wird aber nicht nur er nach ganz oben gelangen, sondern beispielsweise
auch Michael Kocab, Sänger der gen Frank Zappa orientierten Prog-Sound mit Post Punk vermengenden Pražský výbÄ?r, zum Minister und verhandelt den Abzug der sowjetischen Streitkräfte.
Die Skurrilität dessen sogar noch etwas übertrumpfend, schafft es zudem Karel Gott, der öffentlich gegen die Charta ´77 Stellung bezogen hatte, mit dem gerade vom Exil ins Land gekommenen Liedermacher Karel Kryl zusammen auf dem gleichen Balkon singend zu agieren, von dem die seit 1969 mit einem Bann belegte Marta Kubišová mit ihrem berühmten Song »Modlitba pro Martu« die Masse zu Tränen rührt. »Karel Gott (mit uns)« intoniert zur selben Zeit allerdings auch die Prager Skinhead-Band Orlík, Vorreiter einer bald riesenhaft werdenden rechten Skinhead-Bewegung. Ein spannendes wie verwirrendes Bild, das das präsentierende Trio kundig aufzuklären versucht.

Eintritt: frei

Alle Angaben ohne Gewähr. Die Eingabe der Veranstaltungen erfolgt mit großer Sorgfalt. Dennoch kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Bitte schauen Sie ggf. auch auf die Seite des Veranstalters/Veranstaltungsortes.

Lageplan anzeigen

Informationen zum Veranstaltungsort

Standort anzeigen

Die naTo ist ein Soziokulturelles Zentrum, das für die Ausrichtung außergewöhnlicher Theater- und Live-Performances bekannt ist. Daneben fördert es Nachwuchskünstler in den Bereichen Jazz, Pop und neue Musik und organisiert soziokulturelle Projekte jenseits des Mainstreams. In den 80er Jahren begann die spannende Geschichte des Hauses auf der Karl-Liebknecht-Straße. Heute ist die naTo eine kulturelle Institution im Leipziger Süden.