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Einem oft unterschätzten, aber entscheidenden Medium der Buchkultur – dem Buchumschlag – widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine neue Ausstellung. Unter dem Titel „Waffe Buchumschlag!“ wirft die Kabinettausstellung vom 18. März bis 20. September 2026 ein Schlaglicht auf die 1930er Jahre. Politische Auseinandersetzungen, ideologische Konflikte und extrem polarisierende Spannungen innerhalb der Gesellschaft spiegelten sich auf Buchumschlägen. Am 17. März 2026 um 11 Uhr findet vor der Eröffnung ein Presserundgang mit den Kurator*innen statt.
Die Dynamik der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen führte ab Ende der 1920er Jahre zu einer Flut von Propagandaschriften mit kämpferischen Covermontagen. Sie zeugten einerseits von der Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage von Arbeitenden und Arbeitslosen, während am anderen Ende des politischen Spektrums Bilder ungetrübter Harmonie einen faschistischen Heimatbegriff postulierten. Der Buchumschlag wurde zur visuellen Waffe im politischen Kampf um die öffentliche Meinung.
Anhand von über 100 Exponaten macht die Ausstellung deutlich: Der Buchumschlag war mehr als nur ein Schutz für das Buch. Als „kleines Plakat“ erregte er mit emotionalen Bildern, provokativen Montagen und kraftvoller Typografie Aufmerksamkeit und zielte auf Beeinflussung der Massen. Die Entwicklung der Fotografie zum Massenmedium in den 1920er Jahren - gefördert durch die Entwicklung der illustrierten Presse und kostengünstiger Reproduktionstechniken – bot politischen Parteien und Gruppen eine neue, wirksame Sprache. Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts nach dem Ersten Weltkrieg entstanden erste strategische Ansätze zur Nutzung von Bildern für die Beeinflussung der Öffentlichkeit. Dieses Thema, 100 Jahre später ebenso allgegenwärtig in der Gesellschaft, zielt auch heute auf zentrale Anliegen der Medienkompetenz.
Die Schau beleuchtet die kreative und politische Dynamik der Buchgestaltung in den 1930er Jahren. Sie fokussiert auf österreichische Publikationen, deren Verlage auch in Deutschland, insbesondere in Leipzig, tätig waren. Auch typografische Aspekte nimmt die Ausstellung unter die Lupe und bettet die Bild-Schrift-Programme in buchhandelsgeschichtliche, ästhetische und technische Kontexte ein. Besonders hervorgehoben wird dabei die Arbeit wenig bekannter Gestalter*innen, deren Beiträge zur visuellen Kultur der 1930er Jahre bislang in der Forschung vernachlässigt wurden. Ferner lenkt „Waffe Buchumschlag!“ anhand von Fotografien den Blick auf Herstellungsverfahren und Arbeitsbedingungen in Druckereien und Setzereien der 1930er Jahre – ein sozialgeschichtlich noch weitgehend brachliegendes Thema.
Eintritt frei
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Ausstellungsort
Die Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek mit über einer Million Objekten erlauben in ihrer außergewöhnlichen Heterogenität eine interdisziplinäre Herangehensweise an buch- und schriftwissenschaftliche Fragestellungen im kultur-, medien-und kommunikationsgeschichtlichen Kontext.
Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek – 1884 als Deutsches Buchgewerbemuseum in Leipzig gegründet – ist das weltweit älteste und nach Umfang und Qualität der Bestände eines der bedeutendsten Museen auf dem Gebiet der Buchkultur. Der Standort Leipzig war für die Ansiedlung eines Buchmuseums am Ende des 19. Jahrhunderts kein Zufall. Leipzig hatte durch seine herausragenden Leistungen und Innovationen auf dem Gebiet der Buch- und Druckkunst – wie der Herausgabe der ersten Tageszeitung der Welt (1650), der Entwicklung des beweglichen Notensatzes und der jahrhundertealten Tradition der Leipziger Buchmesse – ein unverwechselbares historisches Profil als Buchstadt.
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