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Veranstaltungsdetails

Ort:
Werk 2 | Halle A
Datum:
Freitag, 29.11.2019
Uhrzeit:
20:00 Uhr
Rubrik:

Muff Potter

Muff Potter kehren ein weiteres Mal in die Clubs zurück.

Wüsste man es nicht besser - und stünden diese Sätze in einem Buch, so einem, wo ein sprachbegabter Musiker aufregende Momente seiner Biografie zur Vorlage furioser Fiktion nimmt, und dann mit Gedanken und Figuren herrlich fliegen geht, so jemand vielleicht wie der weithin gefeierte Selfmade-Romancier Thorsten Nagelschmdt aka Nagel - hätte man den folgenden Satz im vergangenen Jahr zweifellos für reine Fantasie gehalten, denn nichts schien absurder: Muff Potter kehren zurück auf die Konzertbühnen!

Tatsächlich und in Farbe und Fleisch und Blut! Und das gleich für sieben Konzerte deutschlandweit, die nach nur wenigen Minuten restlos ausverkauft waren. Nach fast einem Jahrzehnt konsequenter Stille, mit den Original-Protagonisten, mit der Wut von damals und all diesen Songs, die sehr vielen sehr guten Menschen im Deutschland des Neumillenniums zum Ausdruck der eigenen Widersprüchlichkeit und Fehlerhaftigkeit wurden. Es wurden sieben Abende, die keiner der Anwesenden vergessen wird, denn sofort war sie wieder da, diese Energie, diese Dringlichkeit und Unmittelbarkeit - und niemand, der das erlebt hat, konnte glauben, wie lange es irgendwie doch weiter ging mit dem Leben und ohne Muff Potter.

Nachdem die Band zusätzlich zu diesen Clubkonzerten in diesem Sommer eine Handvoll Festivalshows gespielt hat, kehren sie nun im November aufgrund der großen Nachfrage und noch größeren Fanliebe noch ein weiteres Mal in die deutschen Clubs zurück. Und man fragt sich letztlich nur eins: Werden diese Tickets noch schneller weggehen als jene der ersten Tour? Aller Voraussicht nach schon.

Die sieben Alben und zahllosen EPs und Singles, die Muff Potter zwischen 1996 und 2009 veröffentlichten, gerieten weit über die Szene hinaus zu wahren Manifesten einer textlich wie kompositorisch selten klugen Punk-Dringlichkeit, zu scharfzügigen, entlarvenden, aber auch selbstgeißelnd introspektiven Sturmböen der Wahrhaftigkeit. Anfangs ebenso stark vom Geist des frühen Politpunks Marke Slime, ...But Alive oder EA80 geprägt wie vom krachenden und bisweilen scheppernden Alternative-Rock zwischen Dinosaur Jr., Hüsker Dü oder Fugazi, entwickelten sich Muff Potter unter der Ägide ihres Sängers, Gitarristen und Texters Thorsten Nagelschmidt zu wahren Meinungsführern der deutschen Subkultur und geradezu literarischen Meistern der feinen Beobachtung.

Nicht nur textlich, auch klanglich und ästhetisch: Beginnend mit dem dritten Album „Bordsteinkantengeschichten“ verließ das Quartett, das sich schon 1993 in Rheine aus den Resten verschiedener Bands gegründet hatte, immer mehr mit freudvollem Vorsatz die angestammten Punk-Wurzeln, spielte auf jedem weiteren Album mit neuen, zusätzlichen Instrumenten, Intensitäten und Inspirationen und schuf damit einen unverkennbaren Muff Potter-Sound.

Selbst der schwierige Spagat zwischen überzeugter DIY-Attitüde - sie hatten bereits zur Veröffentlichung ihres Debütalbums mit Huck’s Plattenkiste ihr eigenes Label gegründet – und dem Flirt mit dem Big Biz in Form eines Vertrags mit dem Marktführer Universal gelang über zwei Alben und brachte neue Nuancen in Text und Ton, ohne ihre treu verfolgten Werte von entlarvend aufrichtiger Musik zu verwässern. Trotzdem kehrten Muff Potter 2009 mit „Gute Aussicht“ stilistisch und geschäftlich wieder zurück in ihre natürliche Keimzelle der Subkultur und in ihre Rolle als pointierter Stachel im allzu schalen Pop-Fleisch. Und doch: Mit dieser Platte, die vielen Fans seit den Frühwerken als die unmissverständlichste gilt, schloss sich der Kreis für Muff Potter.

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