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Veranstaltungsdetails

Ort:
Schauspiel Leipzig | Große Bühne
Datum:
Donnerstag, 03.10.2019
Uhrzeit:
19:30 Uhr
Rubrik:

»Die Hermannsschlacht« - Heinrich von Kleist

PREMIERE

Der Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus: Cheruskerfürst Hermann schließt mit den Römern ein Scheinbündnis gegen die Sueven. Zugleich unterbreitet er den Sueven ein Bündnisangebot, um die römischen Truppen in einen Hinterhalt zu locken. Er schürt den Hass der einheimischen Bevölkerung gegen die fremden Besatzer. Schließlich stehen fast alle Germanen, die zuvor untereinander zerstritten waren, auf seiner Seite. Nachdem die Truppen des römischen Feldherrn Varus vernichtend geschlagen sind, soll Hermann zum König von Germanien ausgerufen werden.

„Die Hermannsschlacht“ zählt aufgrund ihrer Rezeptionsgeschichte zu den streitbarsten Werken Heinrich von Kleists. 1808 verfasst, war sie ursprünglich der Utopie einer geeinten Nation gewidmet — zu Kleists Lebzeiten brisant genug, um nicht gedruckt zu werden. Erst in den 1870er Jahren setzte sich das Stück beim Publikum durch. Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg galt es als patriotisches Drama. Nur noch selten wurde es nach 1945 aufgeführt. Spät wurde überhaupt diskutiert, was „Die Hermannsschlacht“ eigentlich darstellt: politisches Tendenzdrama, nationales Pamphlet? Aufruf zum Widerstand der Deutschen gegen Napoleon? Oder ist Hermann eher das erschreckende Beispiel für einen, der inmitten eines europäischen Bruderkriegs für seinen Freiheitswillen jede Moral über Bord wirft und Humanität zum Fremdwort erklärt? Und was fängt er mit der Freiheit an, als er sie vor sich hat? Zu den weiteren Besonderheiten des Werkes gehört mit Thusnelda, Hermanns Gefährtin, eine der bemerkenswertesten Frauenfiguren der deutschsprachigen Dramatik.

Die erneute kritische Betrachtung dieses Werks und seiner längst nicht nur deutschen Thematik übernimmt am Schauspiel Leipzig der tschechische Regisseur Dušan David Parízek. Das von ihm 1998 gegründete und bis 2012 geleitete Prager Kammertheater wurde mehrfach als tschechisches Theater des Jahres ausgezeichnet. Parízek sorgte mit Uraufführungen und tschechischen Erstaufführungen von Heiner Müller, Werner Schwab, Elfriede Jelinek, Peter Handke und Thomas Bernhard für Aufsehen. Seit 2002 führt er regelmäßig an den renommiertesten Bühnen im deutschsprachigen Raum Regie. In der Regel zeichnet er auch für seine Bühnenbilder verantwortlich. Seine Inszenierung „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz am Burgtheater Wien erhielt 2015 zahlreiche Auszeichnungen: Einladung zum Berliner Theatertreffen, Nestroy Theaterpreis als beste deutschsprachige Aufführung, Inszenierung und Bühnenbild des Jahres in der Kritikerumfrage von Theater heute. 2018 wurde er mit dem Nestroy für die beste Regie ausgezeichnet.

„Die Hermannsschlacht“ ist Dušan David Parízeks erste Arbeit am Schauspiel Leipzig und eröffnet die Spielzeit 2019 / 2020 auf der Großen Bühne. Weiterhin im Repertoire bleibt Heinrich von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ in der Inszenierung von Hausregisseur Philipp Preuss. In Planung befindet sich zudem ein Gastspiel von „Penthesilea“, einer gefeierten Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Schauspielhaus Bochum, die Johan Simons mit einer zweiköpfigen, außergewöhnlichen Besetzung realisierte: der mit zahlreichen Theater- und Filmpreisen ausgezeichneten Sandra Hüller als Penthesilea und Jens Harzer, Träger des Iffland-Rings, als Achilles.

Regie und Bühne: Dušan David Parízek
Kostüme: Kamila Polívková
Dramaturgie: Matthias Döpke

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Schauspiel Leipzig
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Die Spielstätten Diskothek / Baustelle befinden sich in der Bosestr./Ecke Dittrichring und die Spielstätte Residenz inmitten der Baumwollspinnerei Leipzig. Das Schauspielhaus entstand 1955/56 durch Um- und Ausbau des 1943 zerstörten Centraltheaters, das 1902 als Operettentheater ins Leben gerufen wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg sollte ein modernes Theaterhaus entstehen. 1945/46 wurde es zunächst provisorisch zum Schauspielhaus umgebaut. Die Architekten Souradny, Herbst und Brummer gestalteten den stattlichen Bau inklusive Dreh- und Wagenschiebebühne.

Die Einweihung des neuen Theaterhauses fand am 1. März 1957 mit einer Aufführung von Schillers Wallenstein statt. In den Jahren 2003 bis 2006 wurde die Außenfassade des Theaters in der Bosestraße renoviert. Insgesamt haben 666 Personen im Saal Platz.