Veranstaltungsdetails

Datum:
Samstag, 29.06.2019 bis Samstag, 24.08.2019
Rubrik:

Carina Brandes, Nschotschi Haslinger, Felix Kultau, Joep Van Liefland, Maximilian Rödel »Memory Hole«

Wir bewegen uns in vielen Welten – Welten der Liebe, der Arbeit, des Spiels, des Berufes, der Religion - und in jeder von ihnen ist unser ‚Selbst‘ ein anderes. Zwar sind wir aus einem Guss, jedoch nicht ohne Naht. Da sind Risse zwischen den in uns vereinigten, variierenden Charakteren. Diese Risse sind die engen Zugänge des Memory Hole, der Öffnung zu unserem eigenen Unbekannten. Nämlich das Miasma, welches uns mit unseren verschiedenen ‚Selbst‘ infiziert, aus dem sich Erinnerungen, Träume und Ideen ins Bewusstsein drängen. So lässt es uns unbekannte ‚Ichs‘ durchleben und durchleiden. Die hier versammelten Kunstwerke reflektieren auf unsere Beziehung zu diesem unkontrollierten inneren Treiben. Die Membran zwischen unserem aktuellen Selbst und den darunter liegenden anderen ‚Selbst‘ ist undurchsichtig. Wir können nicht dahinter schauen. Manchmal jedoch lassen sich Teile einer Form erahnen, die sich für einen Augenblick durch ihre Oberfläche drücken. Allerdings geht es hier nicht einfach um Verdunkelung versus Klarheit. Eher beschreiben die Arbeiten den Moment, wenn sich etwas aus der Dunkelheit abzeichnet, den Moment der Geburt von Bedeutung; wenn im Chaos eine Form aufscheint, wenn erste Verdichtungen auftauchen, aus denen Ideen entstehen. Inzwischen ist die Welt sogar in der Lage, das Memory Hole zu transformieren. Die Fixierung auf Erinnerungstechnologie prägt zunehmend unsere Gegenwartskultur. Während der vergangenen anderthalb Jahrzehnte wurde unser Gedächtnis technologisch mehr und mehr erweitert, was eine neue Art der Entfremdung hervorgerufen hat. Die physische Welt ist nun auch mit dem ausgestattet, was früher unser ureigenes Vermögen, Privileg und geradezu das Gegenteil des Physischen war. Es ist ein Prozess mit dem paradoxen Ergebnis, sowohl zu einer Optimierung, als auch zur Verarmung des ‚Selbst‘ zu führen. Auch das Aufeinandertreffen von Irrationalität und Rationalität ist in diesen Werken thematisiert. So kommt das Träumen, bekanntermaßen Sinnbild für Irrationalität, hier so vielschichtig vor, dass mehr als eine Deutung möglich ist. Es gibt aber auch Traumlogik die nicht die Logik der Wachen ist. Sie ist vielmehr eine Untergründige aus Erinnerung, Metaphern und Imagination. Text: Loren Sean Stewart

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